Länger habe ich euch nicht mehr über Aktuelles informiert und somit gilt es einiges nachzuholen. Lasst mich deshalb ein wenig ausholen:

Ich beginne mit dem Trainingslager in Portugal (mit der Staffel-Nationalmannschaft) vom 11.-20. Mai. Ungefähr zehn Tage vorher hatte ich mich am Rücken verletzt, meiner Meinung nach lag es dieses Mal nicht am Krafttraining, sondern an einem Badmintonkurs in der Uni. Wahrscheinlich habe ich eine falsche, bzw. für mich ungewohnte Bewegung gemacht, die böse Folgen hatte - über eine Woche Pause, pünktlich zum Trainingslager war ich aber wieder fit.

In Portugal angekommen waren diese Beschwerden endgültig auskuriert und ich konnte das harte Programm in Angriff nehmen. Neben sehr guten Bedingungen und guter Stimmung liefen die Trainingseinheiten wirklich sehr gut und sahen schon recht viel versprechend aus. Auch das Staffeltraining lief sehr gut, von den Trainingszeiten kamen wir beinahe an die des Olympiajahres 2004 heran, als wir mit 38,30s den deutschen Rekord nur um 1/100 Sekunde verfehlten.

Am Sonntag landete ich wieder in Stuttgart und nach einem Tag Trainingspause, ich fühlte mich super, ging es am Dienstag wieder los. Zügige Tempoläufe standen auf dem Programm. Alles lief nach Plan, bis ich mir im letzten 150m Lauf nach ca. 70m eine Zerrung zu zog…..SCH… waren meine ersten Gedanken. In solchen Momenten sehe ich immer den ganzen Fleiß, die vielen, harten Stunden Training vor mir. Alles andere rückt in den Hintergrund. Der Fokus liegt nur im Erreichen der sportlichen Ziele und auf dem Training -und dann so ein Mist. Naja, ändern kann man in solch einer Situation leider sowieso nichts, und deshalb ist es wichtig den Kopf nicht hängen zu lassen und alles für die Genesung zu tun. Dank meines Arztes Dr. Dobler und meinem spitzen Physiotherapeuten Hartmut Schöllkopf, der wirklich immer Zeit für mich hat, wurde ich medizinisch sehr gut versorgt.

In der ersten Woche war an Training leider noch nicht zu denken. Dazu kam noch, dass am 1. Juni das zweite Traininglager in Portugal anstand, und ich deshalb so schnell wie möglich fit werden musste. In Weinheim, dem Saisoneinstand der meisten Sprinter, konnte ich leider nur zuschauen und die super Bedingungen (Rückenwind, sehr warm) somit nicht nutzen. Die meisten Zeiten aus diesem Meeting stehen bis heute noch in der Saisonbestenliste. Letztes Jahr lief ich in Weinheim 10,38s.

Ok, die Zeiten waren bei den meisten recht gut, aber ich blieb locker und war optimistisch, bald wieder fit zu sein. Das zweite Trainingslager war zwar von den Bedingungen wieder spitze, nur konnte ich noch nicht viel trainieren wegen meiner Zerrung. Nur Joggen und leichtes Krafttraining stand auf dem Plan. Am 10. Mai fand in Regensburg die Europacupqualifikation statt. Leider war ich durch meinen Trainingsrückstand noch nicht so weit und konnte mich nicht für den Europacup qualifizieren (Glückwunsch an Filmon Ghirmai und Arne Gabius, meine beiden Vereinskollegen, für die bomben Leistung beim Europacup!).

Die folgende Woche fuhr ich zum Meeting nach Biberach. 10,47s bei 0,5m Gegenwind waren zufrieden stellend und bedeuteten aufsteigende Form. Ich war sehr motiviert, im Training lief es gut. Voller Vorfreude ging ich beim Meeting in Freistett/Rheinau an den Start. Aber das Wetter war auch hier wieder gegen mich. Bei einem Gegenwind von 1,9m/s sprintete ich 10,61. Wenn schon nicht über die Zeit, konnte ich mich wenigstens über den Sieg freuen.

Wie geht es weiter?

Physisch fühle ich mich echt gut, der Knoten muss bald platzen. Am 30 Juni finden die Baden-Württembergischen Meisterschaften in Kehl statt. Wenn die Bedingungen endlich mal passen, laufe ich sicher Saisonbestleistung. Ich muss zugeben, wenn keine 10,3x fällt, wäre ich schon ziemlich enttäuscht.

Das wäre es soweit von mir. Sport mit Höhen und Tiefen. Aber ohne Tiefen lernt man den Erfolg nicht zu schätzen, und kleine Durchhänger hat ja jeder mal. Mein Trainer hat mir einen interessanten Satz gesagt, und zwar, dass man seine Leistung zu schätzen lernen muss. Das heißt, wenn du viel investiert und zurückgestellt hast, um etwas zu erreichen  - und dann kommt nicht ganz das heraus, was du dir erhofft hast -  sollte man die eigene Leistung trotzdem schätzen. Schließlich weiß man, dass man sehr hart dafür gearbeitet hat.

Viel Spaß und Glück beim Gewinnspiel!